Seit 2015 verbindet reif & möller und NEXUS / CHILI mehr als eine technische Lösung. Aus der Zusammenarbeit von Torsten Möller und Uwe Engelmann ist über die Jahre eine Partnerschaft entstanden, in der beide Unternehmen neue Anforderungen gemeinsam angehen, Lösungen weiterentwickeln und neue Technologien frühzeitig in der Praxis erproben – von der digitalen Teleradiologie bis zum Einsatz Künstlicher Intelligenz.
„Mit den Lösungen von NEXUS / CHILI haben wir eine technische Basis, die nicht nur zuverlässig funktioniert, sondern sich mit unseren Anforderungen weiterentwickeln lässt.“ – Torsten Möller, reif & möller Diagnostic Network
Von der Teleradiologie zur technologischen Partnerschaft
Das reif & möller Diagnostic Network wurde im Jahr 2000 aus der radiologischen Gemeinschaftspraxis Reif und Möller heraus gegründet. Zu den Mitgründern zählt Dr. med. Torsten Möller, der das Unternehmen bis heute als Vorstand prägt. Gemeinsam mit Dr. Reif gehört er damit zu den Pionieren der teleradiologischen Versorgung in Deutschland. Aus diesen Anfängen hat sich das größte Teleradiologienetzwerk im deutschsprachigen Raum entwickelt. Heute sind mehr als 70 Fachärztinnen und Fachärzte für das reif & möller Netzwerk tätig und übernehmen die teleradiologische Befundung für über 140 angeschlossene Kliniken in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Liechtenstein. Pro Jahr entstehen dabei mehr als 218.000 radiologische Befunde. Die Teleradiologinnen und Teleradiologen unterstützen die angebundenen Kliniken bei der Befundung digitaler Röntgen-, CT-, und MRT-Aufnahmen – rund um die Uhr und insbesondere auch in Nacht- und Wochenenddiensten.
Als reif & möller 2015 nach einem Nachfolger für sein bestehendes Teleradiologiesystem suchte, standen vor allem Flexibilität, Erweiterbarkeit und die Möglichkeit zur kontinuierlichen Weiterentwicklung im Fokus. Die neue Plattform sollte sich an veränderten Anforderungen anpassen lassen, neue Arbeitsabläufe unterstützen und ausreichend Raum für zukünftige technologische Entwicklungen bieten.
Denn auch die Anforderungen der Krankenhäuser veränderten sich. Bilddaten sollten nicht mehr nur klassisch übermittelt, sondern digital verfügbar und ortsunabhängig abrufbar sein. Gleichzeitig mussten sich die technischen Lösungen an neue Arbeitsabläufe und Anforderungen anpassen lassen.
reif & möller suchte deshalb einen Partner, der nicht nur eine stabile technische Grundlage bietet, sondern gemeinsam mit dem Unternehmen weiterdenkt und Innovation ermöglicht.
Mit NEXUS / CHILI traf reif & möller dabei auf einen Partner, der selbst zu den Pionieren der Teleradiologie zählte: Bereits seit 1997 werden entsprechende Lösungen auf dem Markt angeboten. Gleichzeitig brachte NEXUS / CHILI die Bereitschaft mit, neue Anforderungen gemeinsam weiterzuentwickeln und umzusetzen.
Das wurde zum entscheidenden Unterschied.
Denn für Torsten Möller war von Anfang an nicht nur die Technologie selbst ausschlaggebend. Ebenso wichtig war die Zusammenarbeit mit den Menschen dahinter. Mit Uwe Engelmann entstand eine persönliche Verbindung, die sich über die Jahre zu einer engen Vertrauensbasis entwickelte.
„Die Chemie zwischen Herrn Engelmann und mir hat einfach gestimmt.“
Für Möller gehört zu einer langfristigen Geschäftsbeziehung dabei ausdrücklich auch, dass nicht immer alles reibungslos läuft. Entscheidend sei vielmehr, Probleme offen ansprechen zu können, Anforderungen gemeinsam einzuordnen und anschließend Lösungen zu entwickeln.
„Wichtig ist, dass man einen Gesprächspartner hat, bei dem man Gehör findet.“
Aus dieser Verbindung von technischer Stabilität, Innovationsbereitschaft und persönlicher Zusammenarbeit entwickelte sich über die Jahre eine Partnerschaft, die weit über die ursprüngliche Teleradiologie-Lösung hinausgeht. Ein Beispiel dafür ist das 2023 gemeinsam von Torsten Möller und Uwe Engelmann veröffentlichte Buch „Teleradiologie“ im Springer-Verlag.
Gemeinsam Lösungen entwickeln, statt nur Standards einzusetzen
Die Weiterentwicklung der Lösungen orientiert sich eng an den Anforderungen des teleradiologischen Alltags. Dabei bringt reif & möller ihre Erfahrungen aus dem direkten Kontakt mit den Krankenhäusern und den täglichen Abläufen ein: Welche Informationen werden im Alltag benötigt? Wo entstehen zusätzliche Arbeitsschritte? Und welche Abläufe lassen sich technisch vereinfachen?
NEXUS / CHILI überführt diese Anforderungen in die Software und entwickelt die entsprechenden Funktionen weiter. So entstehen Lösungen, die sich an den tatsächlichen Arbeitsabläufen der Teleradiologie orientieren – etwa bei der Zuordnung von Zuständigkeiten, der Steuerung von Zugriffsrechten oder der Bereitstellung von Bilddaten.
Für die angeschlossene Krankenhäuser bedeutet das: Die technischen Prozesse laufen weitgehend im Hintergrund, während die Anwendung im Arbeitsalltag einfach und intuitiv bleibt. Die Technologie wird damit an bestehende Prozesse angepasst und nicht umgekehrt.
Zukunft Teleradiologie: Gemeinsam über das Morgen sprechen
Die Partnerschaft beschränkt sich längst nicht mehr auf konkrete Kundenanforderungen. Seit rund vier Jahren veranstalten NEXUS / CHILI und reif & möller gemeinsam zwei- bis dreimal jährlich das Webinar „Zukunft Teleradiologie“.
Dabei geht es um die Frage, wie sich die Teleradiologie weiterentwickelt und welche Technologien tatsächlich relevant für die Praxis werden. Wissenschaftliche Erkenntnisse treffen auf technologische Entwicklungen und konkrete Anwendungen.
Besonders intensiv beschäftigten sich beide Unternehmen dabei mit dem Thema Künstliche Intelligenz.
Die Webinare wurden für reif & möller zum Ausgangspunkt, sich intensiver mit KI-Lösungen verschiedener Hersteller auseinanderzusetzen. Statt diese nur theoretisch zu betrachten, wurden die Lösungen selbst getestet und miteinander verglichen. Nach ersten Tests im Jahr 2021 folgten Anfang 2022 Vergleichsuntersuchungen, um herauszufinden, welche Systeme für den praktischen Einsatz geeignet sind.
Aus der gemeinsamen Beschäftigung mit dem Thema entstand schließlich sogar ein gemeinsames KI-Buch. Torsten Möller und Uwe Engelmann fungieren als Herausgeber und haben selbst mehrere Kapitel beigesteuert. Weitere Beiträge stammen von ehemaligen Referenten der gemeinsamen KI-Webinare.
Aus einem regelmäßigen Austausch über die Zukunft der Teleradiologie wurde damit eine gemeinsame Plattform für Wissenstransfer und Weiterentwicklung.
Von der Theorie in die Praxis
Nach der Evaluation verschiedener KI-Anbieter entschied sich reif & möller für Aidoc als Anbieter der KI-Lösungen. Aidoc entwickelt eine skalierbare und integrierte klinische KI, die Radiologinnen und Radiologen rund um die Uhr bei der Erkennung und Priorisierung auffälliger Befunde unterstützt. Mit 17 FDA- und MDR-zugelassenen Algorithmen decken die Lösungen nach Angaben des Herstellers rund 75 Prozent der radiologischen Fragestellungen ab. Weltweit analysiert die Technologie laut Aidoc monatlich rund drei Millionen Fälle in mehr als 1.600 Krankenhäusern. Ziel ist es, Behandlungszeiten zu verkürzen, Fehler zu reduzieren und radiologische Abläufe zu unterstützen.
Für reif & möller blieb es jedoch nicht bei der Auswahl einer geeigneten KI-Lösung. Die Algorithmen von Aidoc wurden über die Lösungen von NEXUS / CHILI in den radiologischen Workflow integriert und anschließend unter realen Bedingungen im täglichen Betrieb getestet. Dabei kamen drei Perspektiven zusammen: Aidoc liefert die
KI-Algorithmen, NEXUS / CHILI stellt die technologische Plattform für deren Integration bereit und reif & möller erprobt und bewertet die Lösungen als Anwender im radiologischen Alltag.
Ein wichtiger Testzeitraum war der 7. bis 31. März 2022. In diesem Zeitraum wurden im teleradiologischen Netzwerk von reif & möller insgesamt 2.707 native CCT-Untersuchungen zusätzlich durch eine KI auf intrakranielle Blutungen (ICH) analysiert. Laut Auswertungen wurden 2.689 Diagnosen korrekt beurteilt. Bei 18 Untersuchungen wurden Diagnosen von der KI übersehen beziehungsweise als fraglich eingestuft. Der Anteil dieser Fälle lag damit bei unter einem Prozent.

Abb. 1: Erste KI Tests von reif & möller im Jahr 2022
Besonders aufschlussreich waren zudem die 30 Fälle, in denen die ursprüngliche radiologische Befundung unauffällig war, die KI aber eine mögliche Blutung erkannte. Die anschließende Überprüfung dieser 30 Abweichungen zeigte ein differenziertes Bild: Zwölf Meldungen der KI waren falsch positiv, beispielsweise aufgrund von Verkalkungen oder Aneurysmen. In zehn Fällen hatte die KI dagegen tatsächlich eine Blutung erkannt, die im ursprünglichen radiologischen Befund nicht beschrieben worden war. Weitere acht Fälle konnten nicht eindeutig beurteilt werden und wurden als fraglich eingestuft.
Die Ergebnisse machten deutlich, dass der Einsatz von KI weiterhin einer fachärztlichen Einordnung bedarf und die Technologie vor allem als unterstützendes Werkzeug im radiologischen Workflow zu verstehen ist.
Die Anwender mitnehmen
Nach den grundlegenden Tests im Frühjahr 2022 begann reif & möller ab Mitte 2022 mit der schrittweisen Einführung der KI im Arbeitsalltag. Zunächst wurde die Technologie nur mit ausgewählten Radiologen eingesetzt, die ihr offen oder neutral gegenüberstanden. Auch die Anzahl der mit KI-Unterstützung bearbeiteten Befunde war zu diesem Zeitpunkt noch begrenzt.
Die übrigen Befunder konnten so beobachten, welche Erfahrungen ihre Kollegen mit der Technologie machten. Akzeptanz sollte nicht durch eine Vorgabe von oben entstehen, sondern durch praktische Erfahrungen und den Austausch innerhalb des Teams.
Für Torsten Möller ist das bis heute ein entscheidender Faktor für erfolgreiche Innovation:
„Wir werden keine Innovation erfolgreich anwenden können, wenn wir nicht die Leute mitnehmen.“
Erst nachdem sich die positiven Erfahrungen im Team verbreitet hatten, wurde der Einsatz schrittweise ausgeweitet. Ab Mitte 2023 kam die KI schließlich bei allen Befundern zum Einsatz.

Abb. 2: Entwicklung des KI-Einsatzes bei reif & möller von der Testphase bis zum Routineeinsatz
KI im Routineeinsatz
Mit der Ausweitung auf alle Befunder wurde die KI zunehmend Teil des radiologischen Alltags. Im Routinebetrieb kommen dabei verschiedene KI-Algorithmen von Aidoc zum Einsatz. Sie unterstützen Radiologinnen und Radiologen unter anderem bei der Erkennung und Priorisierung von
+ Hirnblutungen
+ Gefäßverschlüssen
+ Lungenembolien
+ Wirbelsäulen- und Rippenfrakturen.
Parallel zur Einführung wurden die Anwender regelmäßig nach ihren Erfahrungen mit der KI befragt. Die Ergebnisse dieser Befragungen zeigen, wie sich die Wahrnehmung der Technologie mit zunehmender Erfahrung im Arbeitsalltag entwickelte.

Abb. 3: Wahrnehmung von KI im radiologischen Arbeitsalltag auf Basis von drei Befragungen
Wenn KI zusätzliche Sicherheit gibt

Abb. 4: Ergebnisse der Befragung zur Akzeptanz von KI bei den Befundern
KI in Ihrer Radiologie einsetzen? Lassen Sie uns über ihre Möglichkeiten sprechen.
Die Befragungen zeigten, wie stark sich die Wahrnehmung der Technologie verändert hatte. Eine Aussage einer Radiologin ist Torsten Möller dabei besonders im Gedächtnis geblieben:
„Seitdem die KI da ist, kann ich besser schlafen.“
Was zunächst überraschend klingt, kann Möller aus seiner eigenen Erfahrung im Bereitschaftsdienst nachvollziehen. Nach schwierigen Fällen bleibt manchmal die Frage, ob eine Auffälligkeit übersehen wurde.
Die zusätzliche KI-Analyse kann hier wie eine zweite Meinung wirken. Die KI erkennt Auffälligkeiten, markiert entsprechende Stellen und gibt dem Radiologen damit einen weiteren Anhaltspunkt.
Die medizinische Verantwortung bleibt jedoch bewusst beim Menschen. Der Radiologe muss die Untersuchung selbst betrachten, die von der KI markierte Stelle überprüfen und die Diagnose selbst bestätigen.
Die Technologie soll unterstützen und nicht die Verantwortung übernehmen.
„Die KI wird als Tool wahrgenommen und nicht als Konkurrenz.“
Wie stark sich die Akzeptanz verändert hat, zeigt auch die jüngste Befragung: Laut Torsten Möller gaben 98 Prozent der Befunder an, nicht mehr auf KI verzichten zu wollen.
Damit hat sich KI innerhalb weniger Jahre von einer Technologie, der viele zunächst skeptisch gegenüberstanden, zu einem etablierten Hilfsmittel im Arbeitsalltag entwickelt. Bei reif & möller werden alle Untersuchungen zunächst darauf geprüft, ob sie für eines der verfügbaren KI-Module geeignet sind. Bei rund 68% findet sich ein passendes Modul, welches die Bilder anschließend analysiert.
Innovation heißt auch, skeptisch zu bleiben
Dass Torsten Möller heute so intensiv mit KI arbeitet, bedeutet nicht, dass er der Technologie grundsätzlich unkritisch gegenübersteht. Im Gegenteil: Er beschreibt sich selbst als eher skeptisch und sieht gerade darin einen wichtigen Teil des Umgangs mit neuen Technologien.
Denn für ihn bedeutet frühes Einsetzen nicht, jede neue Entwicklung automatisch für sinnvoll zu halten. Wer KI in der Praxis nutzen wolle, müsse ihre Ergebnisse hinterfragen, Fehler erkennen und ihre Grenzen kennen.
Genau dieser kritische Blick prägt auch den Umgang von reif & möller mit den eingesetzten Systemen. Die Anwendungen werden kontinuierlich beobachtet und
evaluiert. Es wird dokumentiert, wo Fehler auftreten, welche Module zuverlässig funktionieren und an welchen Stellen Verbesserungen notwendig sind. Anwendungen, die sich im Alltag nicht bewähren, werden auch wieder aus dem Einsatz genommen.
Möller sieht darin keinen Widerspruch zwischen Skepsis und Innovationsbereitschaft. Im Gegenteil: Die kritische Auseinandersetzung macht es überhaupt erst möglich, neue Technologien sinnvoll in die Praxis zu integrieren.
Die eingesetzten Anwendungen werden dabei kontinuierlich beobachtet und evaluiert. Erkenntnisse aus dem realen Einsatz fließen in die weitere Bewertung und Optimierung der Lösungen ein.
So wird die praktische Anwendung selbst zu einem Teil der Weiterentwicklung.
Der nächste Schritt: Foundation Models
Die Entwicklung geht weiter: reif & möller plant eine neue Generation von KI-Algorithmen – sogenannte Foundation Models – als einer der ersten Anwender von Aidoc in Europa praktisch zu erproben. Die geplante Lösung von Aidoc soll die Zahl der erkennbaren Pathologien von derzeit sieben auf 26 erhöhen und damit die radiologische Unterstützung deutlich erweitern.
Im Unterschied zu klassischen KI-Anwendungen, die meist für klar definierte Einzelaufgaben entwickelt werden, basieren Foundation Models auf sehr großen und vielfältigen Datenmengen und können dadurch breitere Zusammenhänge erfassen. Mit der erweiterten Zahl erkennbarer Pathologien soll die neue Lösung künftig eine umfassendere Einschätzung der Untersuchungen ermöglichen und die Priorisierung auffälliger Fälle im Sinne der Triage unterstützen.
Damit knüpft das Unternehmen an die bisherigen Erfahrungen mit KI an, richtet den Blick zugleich aber auf eine neue Entwicklungsstufe der radiologischen Unterstützung.icklung.
KI als gemeinsamer Entwicklungsweg
Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass sich KI schrittweise und praxisnah in den radiologischen Alltag integrieren lässt. NEXUS / CHILI schafft dafür die technische Grundlage, während reif & möller die Lösungen im täglichen Einsatz erprobt und bewertet.
Mit neuen Algorithmen und künftig auch Foundation Models wird diese Entwicklung weitergehen. Entscheidend bleibt, KI sinnvoll in bestehende Workflows zu integrieren und ihren Einsatz kontinuierlich zu überprüfen.
Kontakt
Dr. med Torsten Möller
Kontakt
Dr. Uwe Engelmann