Healthcare IT. Neu definiert.
Wie gelingt Digitalisierung im Krankenhausalltag, wenn KIS, IT und diagnostische Fachbereiche gemeinsam denken, statt getrennt zu handeln? Die NEXUS DAYS 2025 zeigen, wie technische Entwicklung, klinische Praxis und realistische Erwartung an KI ineinandergreifen können. Ein Tag, der vor allem eines deutlich macht: Fortschritt ist ein Teamprozess.
Im Radisson Blu in Frankfurt summt es leise. Stimmen, Gespräche, das gedämpfte Klirren von Kaffeetassen. Wer genau hinhört, merkt schnell, dass hier nicht nur Produkte vorgestellt werden, sondern Menschen miteinander reden. Ärztinnen und Ärzte, IT-Verantwortliche, Laborleiterinnen und Laborleiter sowie Unternehmensvertreterinnen und Unternehmensvertreter tauschen sich aus. Der NEXUS Anwendertag bringt sie alle an einen Tisch, über Systemgrenzen hinweg. Es geht nicht um das KIS oder RIS allein, sondern um die Frage, wie digitale Lösungen zusammenspielen, wenn man voneinander lernt.
KI als Verbindungselement
Dr. Ingo Behrendt, Vorstandsvorsitzender der NEXUS AG, macht zu Beginn deutlich, worin die Stärke der Veranstaltung liegt. „Es ist keine Selbstverständlichkeit, Vertreterinnen und Vertreter so vieler Fachbereiche in einem Raum zu haben. Wir wollen, dass Radiologie, Labormedizin und IT miteinander ins Gespräch kommen.“ Digitalisierung im Gesundheitswesen funktioniere nicht in getrennten Silos. NEXUS verstehe sich als Partner, der Prozesse verbindet. „Wir entwickeln nicht mehr nur Produkte für einzelne Fachbereiche, sondern übergreifende Funktionalitäten, die in allen Systemen greifen“, sagt er.
Wie das in der Praxis aussieht, erläutert Timo Hornig, Entwicklungsleiter bei NEXUS. Er stellt KI-gestützte Anwendungen vor, die Dokumentation und Befundung effizienter machen. „Unsere Strategie ist, KI so einzusetzen, dass sie den Alltag unterstützt, bei der Strukturierung von Daten, bei der Befundung und bei Routineaufgaben“, sagt er. Eine neue Spracherkennung transkribiert nicht nur Diktate, sondern analysiert Inhalte und ordnet sie strukturierten Feldern zu. Der Mehrwert ist klar: bessere Datenqualität und weniger Zeitverlust. Hornig betont, dass Nexus auf offene Schnittstellen und modulare Architekturen setzt. Die von Nexus eingesetzte KI folgt keinem Hype, sondern soll verbinden, nicht abschotten.
KIS Evolution: Webtechnologie und stärkerer Kundendialog
Die Sessions zeigen auch, wie das KIS weiterentwickelt wird: webbasierte Oberflächen, modulare Architekturen und einheitliche Prozesslogiken sollen die Nutzung über verschiedene Fachbereiche hinweg vereinfachen. Dazu gehören auch Weiterentwicklungen im REHA-Bereich, bei dem die nahtlose Anbindung an das Gesamtsystem und eine durchgängig strukturierte Dokumentation im Vordergrund stehen. Besonders auffällig ist der enge Austausch mit Anwenderinnen und Anwendern: Workshops, Feedbackrunden und praxisnahe Formate prägen die Weiterentwicklung des Systems. Ergänzend dazu bietet NEXUS / MARABU Archiv- und ECM-Funktionen, die Kliniken eine revisionssichere Dokumentenverwaltung und die konsistente Zusammenführung wachsender Dokumentenmengen ermöglichen. Statt reine Produktpräsentation steht der Dialog im Mittelpunkt und die Frage, wie digitale Werkzeuge reale Abläufe optimal unterstützen können.
Digitale Prozesse im diagnostischen Umfeld
Im Laborbereich geht es um qualifizierte elektronische Signaturen und KIM-Kommunikation, die papierbasierte Prozesse ersetzen und Befunde sicher zwischen Labor und Klinik übertragen. In der Geburtshilfe werden Anwendungen vorgestellt, die pränatale Diagnostik, Monitoring und Dokumentation integrieren. KI-gestützte Risikoanalysen schaffen ein präziseres Bild des Schwangerschaftsverlaufs und unterstützen Ärztinnen und Ärzte bei Entscheidungen.
Auch beim Thema elektronische Patientenakte zeigt sich, dass Interoperabilität kein Zukunftsversprechen ist, sondern gelebte Praxis. Entscheidend bleiben eine intuitive Bedienbarkeit, klare Prozesslogik und die Fähigkeit der präsentierten Lösungen, sich an die spezifische Struktur eines Hauses anzupassen.
Digitale Pathologie: Praxis statt Theorie
Ein Blick in die vorgestellte Laborrobotik macht sichtbar, wie Automatisierung Qualität, Sicherheit und Geschwindigkeit zusammenbringt und gleichzeitig den Fachkräftemangel abfedert. Notaufnahmen, die aufgrund von zu wenig qualifiziertem Personal in den Laboren sonst ihren Betrieb einstellen müssten, können durch den Technikeinsatz weiterarbeiten.
In der Pathologie wird Digitalisierung besonders konkret. Die Sessions zeigen komprimiert, dass es vor allem um Präzision, flüssige Navigation und klare Arbeitslisten geht. KI-gestützte Strukturierung und Spracherkennung sollen komplexe Befunde standardisieren und übersichtlicher machen – und damit den gesamten Workflow greifbarer und effizienter gestalten.
Ein Plädoyer für realistische Erwartungen
Dr. Jakob Adler, Institute for Medical Diagnostics (IMD) Berlin, richtet den Blick auf den praktischen Einsatz von KI im Labor und auf die Frage, wie realistisch viele Erwartungen derzeit sind. Er erinnert daran, dass KI längst Bestandteil des Laboralltags ist, etwa in der automatischen Klassifikation von Blutausstrichen. Der gegenwärtige Hype überdecke jedoch häufig die Grenzen der Technologie. „Bitte lassen Sie sich nicht hetzen. Viele Systeme wirken beeindruckend, aber sie suggerieren ein Verständnis, das sie nicht besitzen.“
Adler hebt hervor, wie wichtig es ist, vor jeder technischen Entscheidung die eigenen Prioritäten zu definieren. Labore müssen klären, ob es um medizinische Präzision, Personalengpässe, Kosten oder veraltete Infrastruktur geht. Ohne diese Grundsatzfragen bleibt jeder KI-Einsatz zufällig. Zentral ist für ihn eine saubere Datenbasis. Viele Einrichtungen verfügen zwar über moderne Geräte, jedoch nicht über eine konsistente Datenstrategie. „Achtzig Prozent der Arbeit besteht aus Datenvorbereitung. Das neuronale Netz ist schnell geschrieben, aber bis man gute Daten hat, dauert es um ein Vielfaches länger.“ Er plädiert für realistische Erwartungen und einen strukturierten Einstieg. Dazu gehören Schulungen, Testszenarien, klare Verantwortlichkeiten und die Bereitschaft, Systeme dauerhaft zu überwachen. KI ist kein Produkt, das man einmal installiert, sondern ein Werkzeug, das sich fortlaufend verändert und gepflegt werden muss.
Die Veranstaltung macht sichtbar, wie sich NEXUS entwickelt: vom Produkthersteller hin zu einem Servicepartner, der Prozesse ganzheitlich denkt. Es wird deutlich, dass Digitalisierung kein fertiger Zustand ist, sondern ein gemeinsamer Lernprozess. Diese Haltung entsteht in den Vorträgen, in den Workshops und in den Gesprächen in der Lobby, wo Radiologie, Labor, Pathologie und IT zusammenkommen und voneinander profitieren.
Fotos: Alex Becker – Eventfotografie
Wir freuen uns schon jetzt auf die NEXUS DAYS 2026!