Ein reibungsloser OP-Betrieb setzt voraus, dass alle benötigten Instrumente und Medizinprodukte zur richtigen Zeit am richtigen Ort verfügbar sind. Was einfach klingt, stellt Krankenhäuser vor eine komplexe logistische Aufgabe. Unterschiedliche Lagerorte, kurzfristige Änderungen im OP-Plan und eine Vielzahl benötigter Materialien müssen koordiniert werden.
Ein Ansatz dafür ist die fallbezogene Versorgung mit Fallwagen. Statt Instrumente und Materialien erst unmittelbar vor einem Eingriff zusammenzustellen, werden die benötigten Medizinprodukte auf Grundlage des geplanten OP-Programms gebündelt bereitgestellt. Digitale Prozesse können dabei helfen, AEMP, OP und Logistik miteinander zu verbinden und die Versorgung transparent zu steuern.
Was ist ein Fallwagen?
Ein Fallwagen dient der gebündelten Bereitstellung und dem Transport der für einen bestimmten operativen Eingriff benötigten Medizinprodukte. Welche Siebe, Instrumente und weiteren Materialien benötigt werden, wird anhand definierter Standards für die jeweilige Eingriffsart festgelegt.
Der Fallwagen bildet damit gewissermaßen die logistische Verbindung zwischen der Aufbereitung in der AEMP und dem tatsächlichen Bedarf im OP.
Das grundlegende Prinzip lautet: Das richtige Medizinprodukt zur richtigen Zeit am richtigen Ort.
Wie funktioniert die fallbezogene Versorgung?
Ausgangspunkt ist in der Regel das geplante OP-Programm. Für die einzelnen Eingriffe wird definiert, welche Medizinprodukte benötigt werden. Diese Informationen bilden die Grundlage für die weitere Planung und Kommissionierung.
Damit eine fallbezogene Versorgung zuverlässig funktioniert, braucht es jedoch mehr als einen Fallwagen als Transportmittel. Eine wesentliche Voraussetzung sind klar definierte Standards, in denen die benötigten Medizinprodukte den jeweiligen Eingriffen zugeordnet werden. Ebenso wichtig sind abgestimmte Prozesse und Verantwortlichkeiten zwischen AEMP, OP und Logistik sowie geeignete Lager-, Transport- und Bereitstellungsstrukturen.
Auch eine möglichst durchgängige digitale Informationsbasis spielt eine wichtige Rolle. Informationen zu geplanten Eingriffen, benötigten Medizinprodukten und deren Verfügbarkeit müssen frühzeitig zusammengeführt werden, damit der tatsächliche Bedarf in der AEMP berücksichtigt und die Versorgung entsprechend geplant werden kann.
Auf dieser Grundlage kann ein typischer Prozess beispielsweise folgende Schritte umfassen:
So entsteht ein durchgängiger Kreislauf, in dem AEMP, OP und Logistik eng miteinander verbunden sind und sowohl der Material- als auch der Informationsfluss aufeinander abgestimmt werden.
Warum gewinnt die fallbezogene Versorgung an Bedeutung?
Die Anforderungen an eine effiziente Sterilgutversorgung steigen. Gleichzeitig müssen Krankenhäuser mit vorhandenen Ressourcen möglichst wirtschaftlich umgehen und eine zuverlässige Versorgung des OPs gewährleisten.
Bei einer dezentralen Bevorratung werden häufig größere Mengen an Instrumenten und Materialien direkt im OP-Bereich vorgehalten. Eine fallbezogene Versorgung verfolgt einen anderen Ansatz: Bereitgestellt wird gezielt das, was für die geplanten Eingriffe benötigt wird.
Dadurch können Bestände und Materialbewegungen optimiert und Prozesse stärker standardisiert werden. Gleichzeitig entsteht eine bessere Planbarkeit für die beteiligten Bereiche.
Digitalisierung schafft Transparenz
Sein volles Potenzial entfaltet das Fallwagenprinzip vor allem dann, wenn die zugrunde liegenden Prozesse digital miteinander verbunden sind.
Denn für eine zuverlässige Versorgung reicht es nicht aus zu wissen, welche Medizinprodukte für einen Eingriff benötigt werden. Ebenso wichtig ist die Frage, ob und wann diese verfügbar sind.
Digitale Systeme können Informationen aus OP-Planung, AEMP und Logistik zusammenführen. Dadurch lässt sich beispielsweise frühzeitig erkennen, wenn ein benötigtes Sieb noch in der Aufbereitung ist oder für einen anderen Eingriff eingeplant wurde.
Die Beteiligten können darauf reagieren, bevor ein Engpass unmittelbar vor dem Eingriff entsteht. In der AEMP lassen sich dringend benötigte Medizinprodukte beispielsweise priorisieren, während der OP frühzeitig Transparenz über die Versorgungssituation erhält.
Vorteile des Fallwagenprinzips
Vom Transportwagen zum vernetzten Prozess
Der Begriff „Fallwagen“ kann zunächst den Eindruck erwecken, dass es hauptsächlich um den physischen Transport von Medizinprodukten geht. Tatsächlich steckt dahinter jedoch ein wesentlich umfassenderes logistisches Konzept.
Entscheidend ist nicht der Wagen selbst, sondern der Informationsfluss dahinter: Welche Eingriffe sind geplant? Welche Medizinprodukte werden dafür benötigt? Wo befinden sie sich aktuell? Sind sie rechtzeitig verfügbar? Und wie gelangen sie anschließend wieder zurück in den Aufbereitungsprozess?
Je stärker diese Informationen miteinander verknüpft sind, desto gezielter lässt sich der gesamte Versorgungskreislauf steuern.
Moderne Softwarelösungen unterstützen Krankenhäuser dabei, diese Prozesse digital abzubilden. So ermöglicht beispielsweise NEXUS / FALLWAGEN die fallbezogene Planung und Versorgung zwischen AEMP und OP und schafft Transparenz über benötigte und verfügbare Medizinprodukte.
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Welche Rolle spielt der Fallwagen in der AEMP der Zukunft?
Mit zunehmender Digitalisierung und Automatisierung verändert sich auch die Rolle der AEMP. Sie entwickelt sich immer stärker von einer reinen Aufbereitungseinheit zu einem zentralen Bestandteil einer vernetzten Sterilgutlogistik.
Dafür müssen Informationen über Bedarf, Aufbereitung, Verfügbarkeit und Transport möglichst durchgängig zur Verfügung stehen. Die fallbezogene Versorgung ist ein Baustein dieser Entwicklung: Sie verbindet den tatsächlichen Bedarf im OP mit den Prozessen der AEMP.
Der Fallwagen wird damit vom einfachen Transportmittel zum Bestandteil eines digital gesteuerten Versorgungsprozesses – mit dem Ziel, Sterilgut bedarfsgerecht, transparent und zuverlässig dort bereitzustellen, wo es benötigt wird.
FAQs zum Fallwagen
01
Was ist der Unterschied zwischen einem Fallwagen und einem klassischen Transportwagen?
–+
Ein klassischer Transportwagen dient in erster Linie dem Transport von Medizinprodukten. Ein Fallwagen wird dagegen gezielt für einen konkreten OP-Fall beziehungsweise eine bestimmte Eingriffsart zusammengestellt. Die enthaltenen Produkte orientieren sich an zuvor definierten Standards und dem tatsächlichen Bedarf des Eingriffs.
02
Welche Rolle spielt die IT bei der Fallwagenversorgung?
–+
Die IT schafft die notwendige Verbindung zwischen OP-Planung, AEMP und Logistik. Sie ermöglicht beispielsweise, geplante Eingriffe mit dem benötigten Sterilgut zu verknüpfen, Verfügbarkeiten zu prüfen und den Status der benötigten Medizinprodukte transparent abzubilden. So können mögliche Engpässe frühzeitig erkannt werden.
03
Welche Medizinprodukte können über einen Fallwagen bereitgestellt werden?
–+
Welche Medizinprodukte über einen Fallwagen bereitgestellt werden, hängt vom jeweiligen Versorgungskonzept und den Anforderungen des Eingriffs ab. Neben aufbereiteten Instrumentensieben können beispielsweise weitere für den Eingriff benötigte Medizinprodukte fallbezogen zusammengestellt werden. Entscheidend ist, dass der benötigte Materialbedarf vorab definiert und dem jeweiligen OP-Fall eindeutig zugeordnet werden kann.
04
Ist eine Fallwagenversorgung für jedes Krankenhaus geeignet?
–+
Wie ein Fallwagenkonzept sinnvoll umgesetzt werden kann, hängt von den individuellen Strukturen und Prozessen eines Krankenhauses ab. Neben der OP-Struktur und den Abläufen in der AEMP spielen auch räumliche und logistische Gegebenheiten wie Transportwege, Lager- und Bereitstellungsflächen sowie Übergabepunkte eine wichtige Rolle. Auch bestehende IT-Systeme und die Zusammenarbeit der beteiligten Bereiche sollten berücksichtigt werden. Das Fallwagenkonzept sollte daher an die jeweiligen organisatorischen, räumlichen und technischen Rahmenbedingungen angepasst werden.
05
Ist eine Fallwagenversorgung auch bei kurzfristigen Änderungen des OP-Plans sinnvoll?
–+
Gerade bei kurzfristigen Änderungen ist Transparenz über Bedarf und Verfügbarkeit besonders wichtig. Sind die benötigten Medizinprodukte und ihr aktueller Status digital erfasst, können Auswirkungen auf die Versorgung schneller erkannt und notwendige Anpassungen gezielt vorgenommen werden.
06
Was ändert sich für das OP-Team durch einen Fallwagen?
–+
Durch die fallbezogene Versorgung werden die für einen geplanten Eingriff benötigten Medizinprodukte gebündelt und bedarfsgerecht bereitgestellt. Für das OP-Team bedeutet das vor allem klarere und standardisierte Abläufe bei der Materialversorgung. Bei der Einführung werden dafür zunächst bestehende Prozesse überprüft, Bedarfe und Standards definiert sowie Verantwortlichkeiten abgestimmt. Im laufenden Betrieb müssen benötigte Produkte nicht mehr aus unterschiedlichen Lagerbereichen zusammengesucht werden und ihre Verfügbarkeit kann bereits im Vorfeld berücksichtigt werden. Dadurch kann sich der organisatorische und logistische Aufwand rund um die Vorbereitung eines Eingriffs reduzieren.
*Bilder wurden mit Hilfe von KI generiert